Lebenslauf1934
in Szaròw nahe Krakau in Polen geboren 1952-61 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Kunst und der Kunstgeschichte
an der Jagellonski-Universität Krakau 1961 Kunsthistoriker im Schlesischen Museum in Oppeln, Kunstlehrer am Staatlichen Gymnasium für Bildende Kunst in Oppeln 1963
Organisation der
Ersten Staatlichen Ausstellung der Frei-Luft-Skulptur in Oppeln 1969-75 Schaffung und Leitung des Museums in der Alten Bastei in Krapkowice 1973 organisiert die lange Reihe der Symposien Bildender Künste in Krapkowice, gründet eine Galerie mit moderner polnischer Malerei am Hauptmarkt ebendort 1975-86 Kulturabteilung in der Stadtverwaltung Krapkowice 1 1984,1990 Gestaltung des öffentlichen Raumes der Hauptmarktplätze in Krapkowice und Kozle 1975-heute sehr viele Einzel- und Gruppenausstellungen 2002 in Kozle gestorben
Von Ryszard Kowal kommentiertes Kalendarium(Alle Zitate ohne Quellenangabe stammen aus der Erzählung
von Ryszard Kowal)
1934 - Er ist wahrscheinlich am dritten März geboren ("mein Vater ging eine Woche in die Kirche, um mich anzumelden, also weiß man nicht genau, wann ich geboren bin") in Szaròw "mitten in dem Niepolomicki Urwald, der sich einstmals bis zu den Toren des Wawel erstreckt haben soll" 1942 - "Ich war acht, als der Förster bei uns hinter dem Zaun ein richtiges Bild auf Leinwand gemalt hat; irgendwann später hat mir unsere Nachbarin ein Album mit den Gemälden von Juliusz Kossak gezeigt - ich träumte davon, ein Maler zu werden" 1948-52 - Er geht auf das Gymnasium für Bildende Kunst in Krakau 1952-61 - Studiert er Malerei auf der Akademie der Bildenden Kunst und Kunstgeschichte auf der Jagellonski-Universität in Krakau. Seine Lehrer sind unter anderem Waclaw Taranczewski, Zbigniew Pronaszko, Karol Estreicher und Lech Kalinowski. In den Jahren 1952-55 arbeitet er im Krakauer Gymnasium für Bildende Kunst als Lehrer 1957 - Er nimmt an der ersten Ausstellung (Teatr Rapsodyczny w Krakowie) teil und präsentiert Gouachen und Zeichnungen - "irgendwelche Alterchen, irgendwelche Ziegen" 1961 - Mit einer Gruppe junger Künstler kommt er nach Oppeln ("nach den Ferien"). Er beginnt seine Arbeit im Oppelner Schlesien-Museum als Kunsthistoriker und arbeitet hier bis Ende 1965 ("unsere Büros hatten wir im "Teatralna" = Cafe in Oppeln; A.d.Ü.). Gleichzeitig unterrichtet er in dem Staatlichen Gymnasium für Bildende Kunst 1963 - Er organisiert die erste Staatliche Ausstellung der Frei-Luft-Skulpturen in Oppeln, die beiden nächsten fanden in den Jahren 1964 und 1965 statt. Es nahmen Bildhauer aus ganz Polen teil, unter anderen S. Horno-Poplawski, A. Losowski, T. Brzòskiewicz, A. Debska, Trenarowski, A. Szapocznikow 1964 - Aus dem Zeugnis von Tadeusz Chruscicki - des Direktors des Oppelner Schlesien-Museums: "Bürger Ryszard Kowal hat sich in den drei Jahren seiner Tätigkeit hier in der Kunstabteilung des Schlesien-Museums in Oppeln als intelligenter Mitarbeiter erwiesen, der sich gerne an öffentlichen oder allgemein nützlichen Unternehmungen beteiligt. Das persönliche Engagement des Bürgers Ryszard Kowal in der Vermittlung der Kunst ist groß, was uns zu der Hoffnung berechtigt, dass er weiterhin ein nützlicher und erfolgreicher Mitarbeiter in der von ihm eingenommenen Stellung bleiben wird" 1967-69 - Er arbeitet in Otmet "bei den Schuhmachern" als Schuhdesigner, seine "Avantgarde-Schuhe" finden keine Zustimmung bei der Betriebsleitung 1969 - Er wird in den Polnischen Bund Bildender Künstler aufgenommen. Er zieht nach Krapkowice um, wo er einen Kunstkreis organisiert und das Museum in der alten Bastei gründet. Bis 1975 arbeitet er als "Bezirks-Künstler". 1970 auf der Einzelausstellung im Künstlerbund in Oppeln präsentiert er "zufriedenstellende barocke Ölbilder" 1970 - im Rahmen des Bezirks-Festival gestaltet er eine Frei-Luft-Präsentation für den Bezirk Krapkowice auf dem Hauptmarkt und auf dem Freiheitsplatz in Oppeln 1971 - Er projektiert die Dekoration für das zentrale Erntedankfest auf dem Thälmann-Platz in Oppeln - "geniales Werk aus Heu - erstaunlicher Unsinn, aber wie hübsch" 1971 - Er projektiert das Denkmal für den Schlesischen Aufstand auf dem Friedhof in Kamien Slaski 1972 - Teilnahme an der Gruppenausstellung "Malerei und Grafik des Oppelner Bezirks ZPAP" (= Polnischer Bund Bildender Künstler) im Warschauer Zacheta ("Man hat mir ein Bild gestohlen - einen Akt - das ist ein großer Erfolg") 1973 - Teilnahme an der Gruppenausstellung des Oppelner Bezirks ZPAP in Potsdam 1973 - "Ich bin nach Krakau zurückgekehrt - für einen Moment - um auf dem Hauptmarkt zu zeigen, wohin ich weggefahren bin" (Präsentation Oppelner Volkskunst) 1973 - Als"unruhiger Geist", der er ist, organisiert er das erste aus der Reihe der Symposien Bildender Künste "Krapkowice 73". Die nächsten finden in den Jahren 1974 und 1975 statt. Im Rahmen des ersten Symposiums entstehen Pläne für eine künstlerische Aktion auf dem Gelände des Zementwerkes Gòrazdze und für ein Projekt einer öffentlichen Galerie mit moderner polnischer Malerei auf dem Hauptmarkt in Krapkowice. Dieses Projekt wurde erarbeitet von einem Team, in dem außer Kowal auch der Leiter des Unternehmens Marian Bogusz und außerdem Tadeusz Brzozowski, Tadeusz Dominik, Stefan Gierowski, Alfred Lenica, Kazimierz Ostrowski, Ryszard Winiarski und Raimund Ziemski mitwirkten. Er gewinnt damit einen Preis im polnischen Wettbewerb "Bildende Kunst in gesellschaftlichem Auftrag", findet aber nicht die Zustimmung der Krapkowicer Bürger; das Projekt wird nur teilweise realisiert. 1975-86 - Er ist in der Kulturabteilung des Städtischen Amtes in Krapkowice, wo er "elf Jahre lang nur die Zeit totschlug" (wie es im Polnischen so schön heißt: "die Fliegen totschlug" = A.d.Ü.) 1975 - Er realisiert eine Skulptur in der Opolskastraße in Krapkowice 1980 - Er beteiligt sich an der Realisation des Gebäudes der Schlesischen Aufstände auf dem Annaberg - und verwirklicht dort Mosaiken: "Drei weiße Adler" und "Ein verwundeter Widerstandskämpfer", und unter der Mitwirkung von Tadeusz Wenzel und Vincenty Maszkowski eine Skulptur zum Gedenken an die Aufstände. 1981 - Als zweite Einzelausstellung, weil "es die Pflicht der Eltern ist, die Kinder zu unterstützen" im Akademischen Club an der Pädagogischen Fachhochschule (WSP) in Oppeln (während der Studienzeit der Tochter Kasia in Oppeln, A.d.Ü.). Er zeigt Gouachen auf "finnischer Zellulose aus Krapkowice" (aus dem dortigen Papierwerk, A.d.Ü.), Pastelle, Aquarelle und Ölgemälde. "Solange ich die Zellulose hatte, solange hatte ich ein einfaches Leben; die Deutschen haben mich gefragt, wie ich die Grafiken mache" 1982-88 - Unterschiedliche Variationen dieser Ausstellung wurden gezeigt im Kulturzentrum in Krapkowice ( 1982 und 1984); BWA ( = Büro für Kunstausstellungen) Oppeln, Kulturhaus in Nysa (1984); Club Not in Kedzierzyn-Kozle (1984); Potsdam-Babelsberg, Brandenburg und Luckenwalde (1985); Kunstmusem in Kaposvar, Ungarn (1986); Akademischer Club WSP in Oppeln (1987), "weil man wieder den Kindern helfen muss" (während der Lehrzeit des Sohnes Tomek in Oppeln, A.d.Ü.); Galerie "U Gwarka", Gleiwitz (1987); Büro für Kunstausstellungen in Ratibor und Kattowitz (1988) 1984-85 - Er entwirft und realisiert den Turm der Kirche in Zywocice, die Architektur und Umraumgestaltung des Springbrunnens auf dem Hauptmarkt in Krapkowice 1986 - Umzug nach Kedzierzyn-Kozle "hinter der Familie her". Weil die Fenster seines Ateliers auf den Hauptmarkt sehen, der ihm allerdings "nicht so gut gefällt", verwirklicht er in den Jahren 1988-90 sein Projekt "Hauptmarkt" (mit seiner Ehefrau Irina Kowal, mit Adolf Panitz und Janusz Kaczmarczyk) 1987 - Fahrt zum Plein-air-Malen nach Usbekistan: Taschkent, Samarkand, Buchara (Werkschau dieser Reise mit dem Titel "Usbekistan" 1988 in Warschau) 1989 - In Oppeln (BWA) in einer Einzelausstellung zeigt er etwa 80 neue Ölarbeiten, in Breslau (öffentliche Keramik-Galerie der "Nie Tylko My"-Gruppe), und in den nächsten Jahren in Kedzierzyn-Kozle (1990), in der Oppelner Philharmonie (1991), im Kulturhaus in Kedzierzyn-Kozle (1991), in der Galerie "Autor" in Oppeln (1992), in der "Galeria Inny Slask" in Tarnowskie-Gory (1994) 1994 - Im Rahmen der ersten Präsentation von Kunst der Jungen mit dem Titel "2 : 9 und 2 mit Halbkreis" und mit der Widmung "Krzysztof Budzki pro memoriam" (gemeinsam mit Romuald J.) zeigt er das erste Mal große Formate auf Wellpappe 1995 - Einzelausstellung Galerie Rynek in Bytom ("Ich konnte sie nicht finden, denn es waren überall nur Plakate von Marta Deskur", Malerin aus Krakau, A.d.Ü.) 1996 - Er entwirft die Innenausstattung der Kirche in Sieroniowice ("phantastische Skulptur der Fatima Gottesmutter - Panitz hätte was zu tun", Bildhauer, A.d.Ü.) 1997 - Bei dem "1. Kunstforum zum Gedenken an W. Lutslawski" stellt er in der Oppelner Philharmonie gemeinsam mit Marian Molenda aus. Er zeigt malerische Formen aus Wellpappe und Packpapier ("Auf dem Weg nach Hause haben sich die Alten auf dem Eis auf`s ; gemeint ist ein ernsthafter Autounfall des Künstlers und seiner Ehefrau, A.d.Ü.) 1997 - Jubiläumsausstellung "Archi-tektury" in der Galerie Moderner Kunst in Oppeln aus Anlass seiner vierzigjährigen kreativen Arbeit. ("Ich habe die Tatsache ausgenützt, dass ich in meiner Nachbarschaft ganze Stapel von Wellpapp-Verpackungen gefunden habe, die die naheliegende Buchhandlung und Bibliothek weggeworfen hatte.") Grand Prix beim Herbst-Salon in der Galerie Moderner Kunst in Oppeln 1998 - Ausstellung mit dem Titel "Fünf Körper..." von Gouachen und Zeichnungen ("Zum Gedenken an Boleslaw Banas") 1999 - Auf die Frage: "Und was weiter?" im
September in seinem Landhaus in Dlugomilgowice (zu deutsch: "Lange
Liebe") antwortet er: "Und jetzt suhle ich mich im Grünen..." 2002 - Unerwartet und wie vom Blitz aus heiterem Himmel gefällt starb Ryszard Kowal an einem kalten Januarnachmittag in seiner Heimatstadt Kozle in der Nähe von Oppeln. Wir hatten uns noch auf so viele Bilder gefreut, so viele Gespräche mit seinen skurrilen Bemerkungen, so viele von ihm himmlisch gekochte Mahlzeiten. Er wurde am 19.1.02 beigesetzt mit einem Pinsel in seiner Rechten und einer Rose zur Linken. Wir haben im viel zu verdanken. |