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Aufgeklappte Schatzkästchen         

                                                                                           Kunsthistoriker Rainer Schnettler
                                                                                                                               zu einem Werk des polnischen 
                                                                                                                               Künstlers Ryszard Kowal.
                                                                                                                               Foto: Katja Krämer

Ausstellung im Naturpark-Haus zeigt Werke von Ryszard Kowal

HERMESKEIL. (kat) Eine Ausstellung im Naturpark-Haus gibt Einblicke in das vielfältige und ungemein
kreative Schaffen des verstorbenen polnischen Künstlers Ryszard Kowal.
Sie findet statt Rahmen der Kreis-Kulturtage.

"Bis zum Ende seines Lebens im Januar 2002 malte Ryszard Kowal unverdrossen und sehr viel", sagte Kunst-
historiker Rainer Schnettler über den polnischen Künstler. Dem Besucher der Ausstellung begegnen Bilder auf
Wellpappe und auf Packpapier, Ölgemälde auf Leinwand, oder konstruktivistische Zeichnungen auf weißem
Papier sowie Malerei auf einer Schiefertafel. Einige Werke lassen den Betrachter ihren ehemaligen Inhalt
erkennen. So signalisiert der plakative Aufdruck "Unibike" eine ehemalige Fahrradverpackung.

Dass Kowal Materialien wie Wellpappe oder Packpapier verwendet, ist nicht nur seiner außerordentlichen
Kreativität zu zuschreiben, sondern spiegelt auch die wirtschaftliche Not Polens Ende der 80er Jahre wider.
"Dem 1938 geborenen Bauernsohn geht es wie ganz Polen wirtschaftlich nicht gut, so dass er sich leicht
verfügbare Materialien sucht", erklärte Rainer Schnettler.

Gewöhnlichem Packpapier verlieh der Künstler, der eine Ausbildung an der Universität und Kunstakademie
Krakau absolvierte, mit kühnen Pinselstrichen und Gouache und Acryl Lebendigkeit. Mal sind die Werke fast
bunt, mal farbarm. Mal zeigen sie ein Spiel mit Formen, mal sind sie sparsam mit den Formen. Auf dem
matten bräunlichen Untergrund leuchten die Farben nicht.

Die Ölgemälde, die einzig gerahmten Kunstwerke, wirken hingegen wie aufgeklappte Schatzkästchen aus
denen Farben und Formen funkeln. Die gesamten Werke laden den Betrachter zum Phantasieren und zum
Entdecken ein. Und zu entdecken gibt es viel. Ein Alphabet auf einer Schiefertafel wurde ebenso integriert,
wie glänzendes braunes Klebeband.

Kowal wollte seine Bilder nicht rahmen, denn er fand, "dass seine Bilder auch ohne Rahmen wirken", weiß
Schnettler. Oder sie wirken gerade deswegen auf eine besondere Art und Weise.

Der Maler ging so sehr in seiner Arbeit auf, dass er keine Zeit fand ihnen Titel zu geben. Nach der Signatur
at er sie nummeriert. So ist manchmal die Nummer zum Titel geworden. Ein Bild trägt die Bezeichnung
"Komposition 253".

Eine stilistische Einordnung des Künstlers fällt schwer. "Ryszard Kowal arbeitete zwar unmäßig viel, aber
nicht gleichmäßig", sagte Rainer Schnettler. Der Künstler habe die Sicherheit eines eigenen Stils verlassen.

Was ist das polnische an seinen Werken? Schnettler: "Es könnte seine ebenso herzliche wie herzhafte, seine
einfache wie auch dem Leben zugewandte Art und Weise sein, mit den Farben spielerisch umzugehen."

Quelle: Trierischer Volksfreund, 2. /3.11.02, Katja Krämer

 

 

Mit dem schönen Klang der Bilder

Deutsch-polnische Zusammenarbeit: Bilder von Ryszard Kowal in Konz

KONZ. (er) Kunst im Dienst der Völkerverständigung: In Zusammenarbeit mit der Deutsch-polnischen
Gesellschaft Trier zeigt die Galerie Kloster Karthaus in Konz Arbeiten des Polen Ryszard Kowal.

Ob er die Kunst immer ganz ernst nimmt? Ryszard Kowal lacht: "Nein, ein bisschen Spielerei ist immer dabei".
Vom Orden des tierischen Ernstes ist der polnische Künstler weiß Gott nicht. Das beweist schon sein lässiger
Umgang mit den eigenen Bildern. Ein paar hat er in der einstigen klösterlichen Klause an die Decke geflaggt 
wie Fahnen bei der Fronleichnams-Prozession und das beste Bild liegt – scheinbar unachtsam – auf dem 
Boden. Dazwischen steht Kowal mit sanften Augen und nachsichtigem Lächeln als wäre er einer von Gorkis 
"Sommergästen".  

Man mag sogleich in Überlegungen über den Zustand der Kunst und der Malerei im Besonderen verfallen
angesichts dieser pittoresken Bilderschau. Indes – der 67-jährige Maler, der von 1952 bis 1961 an der 
ehrwürdigen Jagellonen-Universität in Krakau studierte und heute in Oppeln lebt, vertreibt sogleich 
jeglichen kunstphilosophischen Weihenebel. "Ohne Leidenschaft und Spielfreude geht gar nichts", sagt 
er über seinen künstlerischen Drang. Diesem Drang entspricht auch der regelmäßige Wechsel seiner 
Techniken. "Meine Häutungen" nennt Kowal das.

Nicht in allem ist der Künstler so locker: "Man darf sich nie Kunst-Moden überlassen". Da wirkt Kowal 
plötzlich gar nicht mehr nachsichtig, eher bitter und ein wenig wie ein innerer Emigrant im gegenwärtigen
Kunstbetrieb." Die Kunst wird heute von ein paar modischen Strömungen beherrscht", klagt der Pole.

Dass er sich dem Diktat des Zeitgeistes beuge, kann Kowal wohl niemand vorwerfen. Unter "klassische
Moderne" sind seine Arbeiten einzuordnen. Was sogleich ins Auge springt, ist der schöne Klang seiner
Bilder. "Ja", bestätigt der Maler, "die beiden Arbeiten dort drüben hingen sogar lange in der Philharmonie."
Feinsinnige Lieder singt Ryszard Kowal in seinen Bildern. Ob man ihn deshalb einen Romantiker nennen
soll? Eher gleicht er einem malenden Träumer im sommerfrischen Land seiner Seele. Bleibt noch
nachzutragen, dass diesmal in Konz die Kunst sich nicht selbst genug sein darf. Vielmehr dient sie als
Vehikel, geht es doch um die Verständigung zwischen Ost und West zwischen Polen und Deutschen.                                                                                                                                                                     

Quelle: Trierischer Volksfreund zur Ausstellung "Inkonsequent und das mit Vergnügen" in der
           Karthause St. Bruno in Konz, 18.10. - 18.11.01

                                                                                                                                                                                   


"
... zu Gold spinnen"

MVB-Galerie, Kaiserstr. 58, Mainz, 8.2.-3.3.02

mei. - Und dann doch noch: Schimmernd neben roter Farbe wird seine Kostbarkeit durch den zusammenge-
knüllten Untergrund konterkariert. Es ist das einzige Gold, das reel glänzt in der Schau - obwohl der Titel
doch davon erzählt. "...zu Gold spinnen" lautet ganz märchenhaft das Motto der Ausstellung von Ryszard
Kowal in den neuen Räumen der MVB-Galerie. Der Kunstverein Eisenturm organisiert nun die Präsentationen
der Mainzer Volksbank in der Kaiserstraße 58.

Nach der Eröffnung mit Guido Ludes jetzt also ein Gast aus dem Ausland: Der 1934 in der Nähe von Krakau
geborene Künstler ist mit zahlreichen polnischen Ehrungen ausgezeichnet und hat als Kunsthistoriker nicht
nur unterrichtet, sondern auch an Museen gearbeitet. Von 1969 bis 1975 leitete Kowal das von ihm aufge-
baute Museum in der Alten Abtei in Krapkowice. In Mainz zeigt er jetzt Werke aus den vergangenen Jahren.
Bemerkenswert ist daran zum einen der Bildträger: Kowal arbeitet mit "poveren" Materialien, klebt sein
bemaltes Papier auf gepresstes Holz oder trägt die Farben direkt aus Pappe auf. Meist schimmern darunter
Buchstaben aus dem früheren Leben der Kartons hervor.

Auf diesen Neo-Dada-Untergründen entwickelt Kowal malerische Chiffren, die bei aller freien, mitunter auch
kalligrafischen Formfindung immer auch figurative Bezüge haben. Und wiederkehrende Symbole: Die Spirale,
das Viereck mit Punkt. Sie lassen sich auf eine wirklich gegenständliche Arbeit zurückführen - einen weiblichen
Akt - zurückführen. Am stärksten sind die sperrigen expressiven Werke, die im Kontrast stehen zu einigen
eher gefälligen Farbkompositionen im Kabinett. Aber eher für die derben Pappen gilt, dass hier "Stroh zu Gold"
gesponnen wird.

 Quelle:  Aus dem Feuilleton der Rhein Main Presse zur Ausstellung                          

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